Dialogreihe „Planetare Grenzen“
Fachgespräche über die Belastbarkeit unseres Planeten
Wie stark können wir unseren Planeten belasten, ohne unsere natürlichen Lebensgrundlagen zu gefährden? Das Konzept der Planetaren Grenzen gibt darauf eine konkrete Antwort. Es beschreibt neun Bereiche, in denen sich ein sicherer Handlungsraum für die Menschheit bestimmen lässt, vom Klimawandel über die Artenvielfalt bis hin zu Nährstoffkreisläufen.
In der Wissenschaft ist das Konzept längst bekannt. Das Projekt „VIA – Planetare Grenzen“ trägt es von der Forschung in die gesellschaftliche Debatte hinein. Sechs digitale Fachgespräche machen dieses Wissen zugänglich. Zudem bieten sie Raum für Diskussionen darüber, was die Planetaren Grenzen für unsere Gesellschaft bedeuten und welche Handlungsmöglichkeiten sich daraus ergeben.
Jede Veranstaltung der Dialogreihe wird durch Wissenschaftler*innen begleitet, die ihre fachliche Expertise zu den jeweiligen Themen beitragen. Die fachlichen Impulsvorträge der Referent*innen werden jeweils aufgezeichnet:
Termine
Sie können einzelne Termine besuchen oder die gesamte Reihe verfolgen, denn jede Veranstaltung steht für sich. Die Teilnahme ist kostenlos. Die Veranstaltungen finden online statt. Den Zugangslink erhalten Sie nach der Anmeldung vor der jeweiligen Veranstaltung.
15. Oktober 2026 · 16:00–17:30 Uhr
Atmosphäre und Ozeane unter Druck – wie die Erderwärmung die Meere verändert
Atmosphäre und Ozeane unter Druck – wie die Erderwärmung die Meere verändert
Die Folgen der globalen Erderwärmung sind bereits heute spürbar, etwa in Form von Wetterextremen oder vom Abschmelzen der Gletscher. Der Klimawandel ist menschengemacht und beruht neben nicht nachhaltigen Methoden in der Land- und Forstwirtschaft insbesondere auf der Verbrennung großer Mengen fossiler Brennstoffe.
Ozeane stehen in engem Zusammenhang mit dem Klimawandel: Einerseits bremsen sie die Erderwärmung, da sie große Mengen der anthropogenen CO₂-Emissionen aufnehmen. Gleichzeitig führt genau diese erhöhte Aufnahme von CO₂ zu chemischen Veränderungen im Meerwasser, was negative Konsequenzen für viele Meereslebewesen und die marine Artenvielfalt hat. Man spricht bei diesem Phänomen der chemischen Veränderungen von einer Ozeanversauerung.
Der sichere Handlungsraum dieser beiden Planetaren Grenzen, Klimawandel und Ozeanversauerung, gilt als überschritten. Gemeinsam mit Dr. Gisela Lannig-Bock und Prof. Dr. Gerrit Lohmann vom Alfred-Wegener-Institut blicken wir auf den aktuellen Forschungsstand, relevante Kipppunkte und die Wechselwirkungen zwischen Atmosphäre und Ozean.
Zu Gast:
👤 Dr. Gisela Lannig-Bock · Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung
👤 Prof. Dr. Gerrit Lohmann · Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung
17. November 2026 · 16:00–17:30 Uhr
Die Atmosphäre im Wandel – zwischen Luftverschmutzung und schützender Ozonschicht
Die Atmosphäre im Wandel – zwischen Luftverschmutzung und schützender Ozonschicht
Veränderungen in der Atmosphäre, die durch menschliches Handeln verursacht werden, haben einen schädigenden Einfluss auf unsere Gesundheit. Zum Beispiel beeinflusst die Zunahme von Partikeln – sogenannten Aerosolen – in der Atmosphäre nicht nur Wolkenbildung und Niederschlagsmuster, sondern kann auch Atemwegserkrankungen bei Menschen verursachen. Zudem wird durch die Emission von Stoffen wie FCKW oder N₂O die Ozonschicht in der Stratosphäre abgebaut, welche uns vor schädigender UV-Strahlung schützt.
Entschlossenes menschliches Handeln kann jedoch auch Positives für die Einhaltung der Planetaren Grenzen bewirken. Das wird am Beispiel der Ozonschicht deutlich: Das 1989 in Kraft getretene Montreal-Abkommen reguliert den Einsatz von ozonschädlichen Stoffen wie FCKW. Seitdem ist es zu einer Erholung der Ozonschicht gekommen. Beide Planetaren Grenzen, Aerosolbelastung und Ozonabbau, sind global betrachtet aktuell nicht überschritten – damit sind sie die einzigen der neun Grenzen, bei denen wir uns innerhalb des sicheren Handlungsraums befinden.
In dieser Veranstaltung besprechen Dr. Heike Wex vom Leibniz-Institut für Troposphärenforschung und Dr. Rolf Müller vom Forschungszentrum Jülich die unsichtbare Belastung durch Aerosole, den Abbau der Ozonschicht sowie die verschiedenen Treiber und Wirkungen dieser beiden Planetaren Grenzen.
Zu Gast:
👤 Dr. Heike Wex · Leibniz-Institut für Troposphärenforschung
👤 Dr. Rolf Müller · Forschungszentrum Jülich
15. Dezember 2026 · 16:00–17:30 Uhr
Leben unter Druck – wie neuartige Stoffe die Biosphäre verändern
Leben unter Druck – wie neuartige Stoffe die Biosphäre verändern
Eine hohe genetische Vielfalt ist eine wichtige Voraussetzung für die hohe Resilienz der Ökosysteme und damit auch unseres eigenen Lebensraums. Neben einer hohen Artenvielfalt beruhen intakte und resiliente Ökosysteme auf einer hohen funktionellen Diversität.
Mit seinen Aktivitäten hat der Mensch sowohl direkt als auch indirekt einen negativen Einfluss auf die Integrität der Biosphäre. Ausdruck dafür ist ein grassierendes Artensterben, ausgelöst durch direkte Maßnahmen wie Jagd, Überfischung und Ausrottung sowie durch die großflächige Zerstörung von Ökosystemen und damit den Entzug der Lebensgrundlagen vieler Lebewesen.
Wir beeinflussen die Biosphäre zudem durch die Herstellung, Verwendung und Freisetzung neuartiger, menschengemachter Stoffe. Dazu gehören zahlreiche Chemikalien, die in alltäglichen Produkten oder beispielsweise als Insektizide in der Landwirtschaft eingesetzt werden. Viele dieser Stoffe sind langlebig und verbleiben über lange Zeit in der Umwelt.
Beide Planetaren Grenzen, Integrität der Biosphäre und Überladung mit neuartigen Stoffen, gelten als überschritten. Gemeinsam mit Prof. Dr. Annika Jahnke vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ betrachten wir in dieser Veranstaltung beide Grenzen genauer und erörtern, wie diese gemessen werden können und welche Wechselwirkungen zwischen ihnen bestehen.
Zu Gast:
👤 Prof. Dr. Annika Jahnke · Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ
👤 tba
21. Januar 2027 · 16:00–18:00 Uhr
Wenn Kreisläufe aus dem Gleichgewicht geraten – Land, Wasser und Nährstoffe im Zusammenspiel
Wenn Kreisläufe aus dem Gleichgewicht geraten – Land, Wasser und Nährstoffe im Zusammenspiel
Wälder werden gerodet, um Platz für landwirtschaftliche Flächen, Straßen und Städte zu schaffen. Damit gehen auch die vielen Ökosystemfunktionen von Wäldern verloren, welche essenziell für das Erdsystem sowie für das menschliche Leben sind.
Die großflächige Entwaldung stört jedoch auch die natürlichen Süßwasserkreisläufe: Sie kann die natürliche Versickerung von Regenwasser beeinträchtigen und verringert die Verdunstung großer Wassermengen, die über atmosphärische Prozesse andernorts wieder als Niederschlag fallen können. Dies erschwert die Grundwasserneubildung und lässt die Bodenfeuchte absinken. Daneben beeinflussen Menschen die Süßwassersysteme unserer Erde durch übermäßige Entnahme sowie durch den Bau von Staudämmen.
Wasserkreisläufe werden auch durch den übermäßigen Eintrag von Stickstoff- und Phosphorverbindungen, insbesondere durch Düngemittel in der Landwirtschaft, beeinflusst. Neben anderen negativen Folgen für Ökosysteme kann dies zu einer Eutrophierung von Gewässern und damit im schlimmsten Fall zur Entstehung sogenannter „Todeszonen“ führen, in denen Lebewesen nicht überleben können.
Die letzte thematische Einheit unserer Dialogreihe beschäftigt sich mit den Veränderungen in der Landnutzung, in Süßwassersystemen sowie in Phosphor- und Stickstoffkreisläufen. Prof. Dr. Dagmar Haase von der Humboldt-Universität zu Berlin, Prof. Dr. Dieter Gerten vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und Prof. Dr. Markus Reichstein vom Max-Planck-Institut für Biogeochemie betrachten die Wechselwirkungen dieser drei Prozesse und untersuchen, welche Auswirkungen sie auf unsere Wasser- und Lebensmittelversorgung haben.
Zu Gast:
👤 Prof. Dr. Dagmar Haase · Humboldt-Universität zu Berlin
👤 Prof. Dr. Dieter Gerten · Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung
👤 Prof. Dr. Markus Reichstein · Max-Planck-Institut für Biogeochemie
18. Februar 2027 · 16:00–17:30 Uhr
Abschlussveranstaltung: Vom Wissen zum Handeln
Abschlussveranstaltung: Vom Wissen zum Handeln
Die Abschlussveranstaltung bündelt die Erkenntnisse der gesamten Dialogreihe und richtet den Blick auf konkrete gesellschaftliche Veränderungsmöglichkeiten. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wie aus wissenschaftlichem Wissen praktisches, institutionelles und politisches Handeln entstehen kann.
Prof. Dr. Mojib Latif vom Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel (GEOMAR), Lorenz Gösta Beutin, Vorsitzender des Ausschusses für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit, Dr. Antje von Dewitz, Geschäftsführerin von VAUDE und Vorständin des Bundesverbands Nachhaltige Wirtschaft e. V., sowie Dr. Anke Strauß, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Deutschen Umweltstiftung, diskutieren im Fishbowl-Format: Was müsste geschehen, um die Belastung zu verringern? Welche Handlungsmöglichkeiten bestehen in den einzelnen Bereichen, insbesondere hier in Deutschland? Welche sozialen und internationalen Gerechtigkeitsfragen sind zu berücksichtigen?
Sie als Teilnehmende sind herzlich dazu eingeladen, in die Diskussion einzusteigen. Gemeinsam reflektieren wir, was wir in unseren eigenen Wirkungsbereichen erreichen können, was hingegen die Politik leisten muss, und wie eine Gesellschaft aussieht, die innerhalb der Planetaren Grenzen wirtschaftet.
Zu Gast:
Prof. Dr. Mojib Latif · Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel (GEOMAR)
Lorenz Gösta Beutin · Vorsitzender des Ausschusses für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit
Dr. Antje von Dewitz · Vorständin des Bundesverbands Nachhaltige Wirtschaft e. V. und Geschäftsführerin von VAUDE
Dr. Anke Strauß · Stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Deutschen Umweltstiftung
Vergangene Termine
17. September 2026 · 16:00–17:30 Uhr
Auftaktveranstaltung: Ein sicherer Handlungsraum für die Menschheit – die Planetaren Grenzen als vernetztes System
Auftaktveranstaltung: Ein sicherer Handlungsraum für die Menschheit – die Planetaren Grenzen als vernetztes System
Die fortschreitende Zerstörung der Ökosphäre bedroht unsere Lebensgrundlagen. Um diese Zerstörung im globalen Maßstab greifbar zu machen, entwickelte ein Forscherteam rund um den Wissenschaftler Johan Rockström das Konzept der Planetaren Grenzen. Es handelt sich um neun biophysikalische Prozesse, die die lebenserhaltenden Systeme unserer Erde regulieren und damit die Stabilität und Widerstandsfähigkeit des Erdsystems bestimmen.
Ziel unseres Handelns als Gesellschaft sollte es sein, den sicheren Handlungsraum innerhalb dieser Planetaren Grenzen nicht zu verlassen. Allerdings befinden wir uns gegenwärtig bei sieben von neun Grenzen außerhalb des sicheren Handlungsraums: Dadurch wächst das Risiko einer dauerhaften Destabilisierung der Erdsystemprozesse.
Neun Grenzen, ein vernetztes Erdsystem: Die planetaren Grenzen wirken nicht unabhängig voneinander. Wenn eine Grenze überschritten wird, kann das andere Bereiche des Erdsystems zusätzlich belasten. Wer Lösungen finden will, muss deshalb nicht nur einzelne Symptome betrachten, sondern die Zusammenhänge im Erdsystem verstehen.
In der Auftaktveranstaltung der Dialogreihe „Planetare Grenzen“ stellt Jonas Kaiser vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung das Konzept der Planetaren Grenzen vor und erklärt, wie sie erfasst werden. Wir sprechen darüber, welche Folgen eine Überschreitung der Grenzen hat, welche Wechselwirkungen es zwischen den einzelnen Grenzen gibt und wie sich das Konzept auf Deutschland übertragen lässt.
Zu Gast:
👤 Jonas Kaiser · Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung
Hier finden Sie die Aufzeichnung des Fachimpulses von Jonas Kaiser.